Donnerstag, 3. September 2009

Nachtschwärmer

Ich bleibe dabei, dass die Vorlesungen sehr interessant sind. Es gibt jedoch eine Vorlesung, nämlich Photomedia, in der meine Augenlieder ganz schwer werden. Das liegt zum einen daran, dass wir in dem Vorlesungsraum im halbdunkeln sitzen, weil der Beamer an ist, dass ich ständig auf dem PC starre, dass es die zweite Vorlesung nach eine dreistündigen Vorlesung ist und einfach daran, dass ich an Tagen, an denen ich um 7 Uhr aufstehen muss einfach zu wenig geschlafen habe.
Heute ist nämlich folgendes passiert: Mir sind in dieser Vorlesung schon seit einer Stunde die Augen am zufallen. Zu meinem Unglück mussten wir uns mit unseren Stühlen um den Dozenten scharren, weil er die familiäre Atmosphäre so sehr schätzt. Ich habe direkt vor im gesessen. Mein Blick muss so leer in seine Richtung gegangen sein, dass er mir einen kräftigen Klaps an meine Wade gegeben hat, dass ich wieder hellwach war. Das war von ihm nicht böse gemeint. Er hat mich gefragt ob es mir gut geht oder ob ich einfach nur müde sei. Ich hab gesagt, dass es mir gut geht und dass ich nicht müde sei (was gelogen war). Als meine Wade aufgehört hat wehzutun kehrte die Müdigkeit wieder in meine Augen. Doch dann gab es zehn Minuten Pause, die ich für ein Nickerchen nutzen wollte. Ich war ja bis dahin der festen Überzeugung, dass ich nirgends einschlafen kann als in meinem Bett. Aber da wurde ich eines Anderen belehrt. Als ich gemerkt habe, dass die Stimme in meinem Traum die Stimme meines Dozenten war, bin ich hoch geschreckt und habe nur gesehen wie Lisa einen Lachkrampf bekommen, Jasmin gerade ein Bild von mir gemacht und Luke (unser Dozent) mich hämisch angelächelt hat, da ich ihm bewiesen habe, dass er vorhin doch Recht hatte. Zum Glück findet Luke das eher lustig als unhöflich. Mir war es nur schrecklich peinlich und unangenehm. Mir ist sowas noch nie passiert. Der Rest der Klasse hat das gar nicht mitbekommen oder es hat sie einfach nicht gejuckt. Hier scheint es ja der gängige Ton zu sein seine Augen in der Vorlesung auszuruhen oder einfach nur in einen Tiefschlaf zu verfallen. Denn wir haben zwei Spezialisten in unserer Klasse, die die Vorlesung zum Ausruhen nutzen. Ich hab mich schon eh gefragt wie die das hier schaffen mit ihren proppevollen Stundenplänen, Nebenjob, Sportclubs usw.. Und die Lösung liegt auf dem Schreibtisch in der Vorlesung in Form eines schlafenden Studenten. Als nämlich noch einer in der Vorlesung eingeschlafen ist und eine andere Turnübungen gemacht hat um nicht einzuschlafen, hat Luke gefragt, ob denn sein Unterricht denn wirklich so langweilig sei. Das schlimme ist ja, dass der Unterricht wirklich nicht langweilig ist und Luke ein supercooler Typ ist, aber irgendwann ist der Akku einfach leer.
Den Akku habe ich wieder in meiner Chorstunde aufgeladen. Danach sind Jasmin und ich ein Kitsch-, Bastel- und Nähfachgeschäft gefahren um uns noch Stoff für unsere Qiult Blocks, die wir in Textil Design gerade nähen, zu besorgen. Nachdem ich dann mein Mittagessen nachgeholt habe, was ich montags und mittwochs immer tun muss, sind Jasmin und ich ins Nähstudio gegangen und haben unsere Quilt Blocks soweit fertig genäht, dass wir morgen nur noch mithilfe unserer flippigen Dozentin die Ränder anbringen müssen. An solche nächlichen Extraarbeiten müssen wir uns gewöhnen, denn das wird nicht das letzte Mal sein. Montags und mittwochs kann ich mir sowas leisten, da ich am Tag danach erst nachmittags Vorlesung habe. Ich muss zu unserer Verteidigung sagen, dass wir nächtliche Überstunden einlegen, nicht weil wir hinterherhängen sondern weil wir gerade das gerade vermeiden wollen. Und wir liegen sehr gut in der Zeit!
Ich war übrigens am Dienstag das erste Mal mit dem Volleyballclub trainieren. Das war echt super und ich hatte ausnahmsweise nur Amerikanerinnen um mich rum. Noch bereiten wir uns auf das Testspiel vor, wo geschaut wird, wie gut die Einzelne ist. Dann wird man in das A, B oder C-Team eingeteilt. Da ich aber schon im Chor bin und es mir nur um den Spaß an der Freude geht und ich mich nicht übernehmen möchte, habe ich mich für das Rec-Team eingeschrieben. Das Team trainiert nur mit, spielt aber keine Turniere. Im Notfall springt es auch bei Turnieren ein. Außerdem können und müssen die Mitglieder nicht immer zum Training kommen. Morgen ist wieder Training. Da ich Zeit und Lust hab, geh ich auch hin.
Ich freue mich schon!
Ich möchte noch mal auf die Tatsachenberichte von Jasmin in ihrem Blog hinweisen. Die sind echt witzig!
Ich am schlafen.
Seht ihr den Dozenten im Hintergrund lächeln?

Ich wollte noch Fotos vom Nähen Online stellen, aber da hat irgedwie nicht geklappt.
Ich aktualisier den Post so schnell wie möglich!

Dienstag, 1. September 2009

Recycling, Busfahren, gesunde Ernährung: Amerika und der Fortschritt

Unsere Hausaufgabe für Montag in Graphic Design war es, sich ein schon bestehendes Unternehmen, ein wohltätige oder von den Behörden geleitete Organisation oder ein Unternehmen für eine Randgruppe auszusuchen, die ein Problem darstellen. Bei mir war es zum Beispiel, eine Produktlinie mit laktosefreien Süßigkeiten. Diese Themen werden wir dann zu unserem Semesterprojekt. Es war aber wirklich interessant, was die Amerikaner so beschäftigt hat. Viele haben gesagt, dass ihnen ein gesunder, aber trotzdem billiger Fast-Food-Laden fehlt. Dazu fällt mir ein, dass hier eine TV-Werbung von Subway läuft. Da erzählt ein Typ, dass er 100 KG abgenommen hat, weil er regelmäßig zu Subway geht. Also da fehlen mir echt die Worte. Ein anderer hat gesagt, dass man hier ein Recycle-System einführen sollte.
Denn in Canada da gibt es ja sowas, das nennt sich Pfand und die Leute tun die Flaschen in so Maschinen, die dann die Flaschen sortieren. Und überhaupt wüsste man nicht genau, was man recyceln darf und was nicht. Und ein anderes Mädel hat gesagt, dass das Bussystem in Wichita, Kansas total schlimm sei. System? Welches System? Also dasselbe Problem gibt es in Lawrence auch und Lisa nimmt es sich gestalterisch zur Brust. Ich war echt ein bisschen baff, aber auch positiv überrascht, dass es Leute gibt, denen solche Sachen, die wir als Grundsätzlich empfinden, da wir damit aufgewachsen sind, als ein gravierendes Problem sehen.
Übrigens muss ich noch erwähnen, dass so gut die Vorlesungen hier auch sind, so uninspirierend hässlich sind die Vorlesungsräume. Die Wände, sind braun, alt und es gibt keine Fenster. Seitdem weiß ich unsere schöne, alte aber renovierte FH mehr zu schätzen.
Nach den Vorlesungen hatte ich Chorprobe. Ich weiß nicht, ob ich es in einem meiner letzten Blogeinträge erwähnt habe, aber ich bin nicht mehr in den Loser-Chor. Sondern in einem anderen, wo ich mich wohl fühle. Dieses Semester sind zwei Auftritte geplant. Darauf bin ich gespannt.
Da geh ich jeden Tag hin



Foam party in der Wohnung
(Foto-update vom letzten Beitrag)